Wie WebIntelligent sind deutsche Unternehmen?

Auf dem Web Intelligence Forum in Köln wurde es am zweiten Tag spannend – Best Practices erzählten von eigenen Erfahrungen. Los ging es erst mal mit einer englischen (oah – am frühen Morgen*g – Gott sei Dank konnte Jutta am Abend vorher beim Get Together schon etwas üben…) Keynote von Aurelie Pols. Ein paar ihrer Sätze sind mir besonders im Gedächtnis geblieben:
„A Web-Analytic tool is like MS Word (which doesn’t write books) – it reports, the story doesn’t stop there.“
„What get’s measure, get’s done – No measure, no project”
„WebAnalyse always needs a toolbox – you don’t get everything you want with just one tool.“

Aber jetzt rein in die Fallbeispiele. Eine abwechslungsreiche Auswahl an Großunternehmen gab uns einen Einblick in ihre Analyseaktivitäten. Mich persönlich hätte allerdings auch ein Vortrag eines Mittelständlers interessiert, der erzählt, wie er mit minimalem Budget seine Online-Ströme analysiert und optimiert. Obwohl – zu den Budgets hat hier sowieso keiner was gesagt *g. Kleine Zusammenfassung? Bitte:

Cortal ConsorsJörg Neumann
91 % aller Kontoeröffnungen der Bank werden online getätigt – und sie haben zudem viele „Stammkunden“ die sich regelmäßig mit Finanzinfos versorgen, ohne Kunde zu sein. Wie wir es am Vortag auf dem Seminar gelernt haben, unterteilt Cortal Consors die einzelnen User nach vorher festgelegten Parametern in verschiedene Gruppen (Sparer, Anleger, Trader etc.). Anhand des Verhaltens des einzelnen Users auf der Website merkt das Programm via Dataminding, um welche Kundengruppe es sich handelt, und bietet entsprechenden Content an (Affinitätsmodell). Auch einzelne Marketingaktionen werden so nur Zielgruppen angeboten, die voraussichtlich auch daran interessiert sind. Spannenderweise setzt Cortal Consors da wieder verstärkt Direktmailing anstatt E-Mails ein, was den nächsten Redner von der Deutschen Post natürlich sehr erfreut hat :-). Ausgearbeitet werden die einzelnen Kampagnen und Strategien von einem WebStrategie Board, welches sich abteilungsübergreifend aus den Bereichen Costumer Intelligence, Projektmanagement, IT-Development, Marketing und Geschäftsleitung zusammensetzt. Vorbildlich!

Deutsche Post World Net, Dr. Gernot Westphalen
Bei der Deutschen Post ist das eBusiness nicht so stark ausgeprägt wie bei Cortal Consors – im Briefbereich beträgt es lediglich 1 % – im Expressbereich dagegen schon 75 %. Trotzdem ist die Post auf dem Sektor Web sehr aktiv – um keine Anschlüsse zu verpassen. Insgesamt hat die Deutsche Post neben den vier Hauptdomains (www.dpwn.de, http://www.deutschepost.de, http://www.dhl.de und http://www.postbank.de) über 40 Produktdomains (z. B. http://www.titelhelden.de, http://www.postfinder, http://www.schreibcenter.de oder fürs Mobile m.deutschepost.de) – außerdem 115 DHL Länderdomains und über 45 Partner-Domains – also die Websites, die einzelne freie Niederlassungen im Netz haben. Darum heißt das Schlagwort bei der Post auch WebPerformanceManagement und nicht BusinessIntelligence. Es geht um eine kontinuierliche Optimierung, eine strategische Kanalsteuerung und eine einheitliche Semantik (sehr wichtig bei den vielen Einzelseiten). Dabei werden keine personenbezogenen Daten getrackt und jeder Partner bekommt weitmöglichste Freiheit bei der Gestaltung und der Analyse der eigenen Website – ohne das CI dabei zu verletzen. So wird Wildwuchs verhindert. Ich hoffe, es klappt :-).

DKV Deutsche Krankenvesicherung AGIngo Cousin
2006 gab es bei der DKV einen Website-Relaunche mit umfassenden SEO-Optimierungen… und trotzdem keine besseren Zahlen. Das hat natürlich stutzig gemacht und zu folgender Strategie geführt: „Steigerung der Umwandlungsquote bei mindestens gleichbleibender Anzahl von Besuchern“ – und zwar mit Hilfe einer dynamischen Nutzerführung (= gezielte Ansprache mit personalisierten Empfehlungen und Navigationsmöglichkeiten sowie dem Abfangen von Abbrechern & Schnellklickern durch Hilfsangebot). Die Seite wird jetzt für jeden User individuell zusammengestellt. Sucht man z. B. bei Google nach Brillen Zusatzversicherung, bekommt man auf der DKV Startseite sofort ein entsprechendes Angebot – probiert es mal aus.
Dieser – für den User unmerkliche – technische Relaunche war sehr erfolgreich. So wurden nach der Optimierung 20 % mehr Adressen generiert und Abschlüsse getätigt und es gab eine 3prozentige Steigerung der Konversionsrate.

Nintendo of Europe, Thomas Müller
Die Seminarteilnehmer haben sich gefreut – endlich mal ein Unternehmen aus der Unterhaltungsbranche – sofort wurden die Rufe nach einer kostenlosen DS und Wii laut – hat leider nichts gebracht 😦 . Stattdessen hat uns Thomas Müller ein bisschen was über die Website von Nintendo erzählt. U. a. darüber,  dass die Seite ebenfalls dynamisch zusammengesetzt ist. Und zwar einmal nach Geschlecht und gekauften und angeschauten Produkten (bei Kunden) und nach Klickverhalten bei „unbekannten“ Usern. Interessant war, dass Nintendo immer verschiedene Kampagnen, Newsletter und Banner parallel testet und dann – nach den ersten Klicks – registriert, welche am Besten ankommen und nur diese weiter verschickt. Kommt mir irgendwie bekannt vor… natürliche Selektion… der Stärkere gewinnt usw. Ein bisschen Hilfe können die noch bei den Sterne-Prämien gebrauchen – wer eine gute Idee hat – einfach mit schönem Gruß von mir an Herrn Müller weiterleiten.

Endress + Hauser, Thomas Ziesing
Beim letzten Vortrag muss ich gestehen, dass mein RL-Avi schon leichte Ermüdungserscheinungen gezeigt hat. Jutta ist halt doch nicht mehr die Jüngste. Irgendwie ähnelten sich die Vorträge aber hinsichtlich der Vorgehensweise und der Maßnahmen schon etwas. Bei Thomas Ziesing war noch interessant, dass er speziell auf die Wichtigkeit der internen Suche hingewiesen hat. Seiner Meinung nach sollten alle Suchergebnisse, die keine Treffer anzeigen, nachgearbeitet werden. Beispielsweise durch das Anbieten einer „Do you mean“-Funktion, Rechtschreibkorrekturen und das Einpflegen weiterer Informationen in die Metadaten.

Puah – es war ein informativer, spannender aber auch anstrengender Tag. Wir haben gesehen, dass man mit viel Budget sicherlich viel bewegen kann. Aber auch kleine kostenlose Tools können zu den gewünschten Zahlen führen – Auswerten und das Beste draus machen muss dann eh jeder für sich. Denn die Intelligenz sitzt immer noch vor dem Rechner – und das ist auch gut so 🙂

Ach ja – ein paar schlechte Fotos gibt es noch in meinem Flickr *g.

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