Immer mehr Web2.0 Tools kapern die Unternehmen

Nicht nur im Inter- sondern auch im Intranet werden Web2.0 Anwendungen wie Blogs, Wikis oder Social Networks immer gefragter. Unternehmen stellen fest, dass man mit Demokratisierung, Offenheit und Collaboration auf Dauer besser und effektiver arbeiten kann. Einige spannende Best Practice Fälle wurden auf dem Enterprise 2.0 Forum Mitte Februar in Köln vorgestellt. Sollten Sie sich bisher keine Gedanken über Web2.0 für die interne Zusammenarbeit gemacht habe, könnten diese Beispiele vielleicht eine schöne Anregung sein… aber Vorsicht! Der Einsatz von Enterprise 2.0 Tools könnte Ihr Unternehmen erfolgreicher, effizienter und interessanter machen.

ABB AG
Joachim Lindner

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Joachim Lindner

Bei der ABB gab es verschiedene Gründe, die zum internen Einsatz neuer Technologien geführt haben: Vernetzung von Experten aus über 100 Ländern, Wissen sichern und den Mitarbeitern zur Verfügung stellen, gleichartige Projekte vermeiden, Impulse geben, Kreativität steigern und sich durch Expertenwissen weiterbilden. Jeder Grund für sich ausreichend, neue Möglichkeiten und Technologien auszuprobieren.

Gestartet wurde mit dem Einsatz von Blogs und Wikis in der Abteilung Unternehmenskommunikation. Die Einführung hat circa 3 Monate gedauert. Heute beträgt der Zeitaufwand für die Betreuung zwischen 1/2 und einem Tag pro Woche fürs „aufräumen“, animieren, selber bloggen und der Erstellung eines Newsletters. Ja, richtig gelesen, um Web2.0-Anfänger und RSS-Unkenner abzuholen, wird regelmäßig ein Newsletter mit Links zu den aktuellen Änderungen verschickt. Eine super Idee wie ich finde.

Tipps von Joachim Lindner: Kommentare und Anmerkungen der Mitarbeiter ernst nehmen, schnell beantworten und frühzeitig höhere Hierarchieebenen einbinden. Und er hat bei ABB noch weitere Pläne. So sollen Wikis, Blogs und ein Chat ins unternehmensweite Intranet integriert werden, eine Social Network Plattform entstehen und Web2.0 Funktionalitäten auch in die externe Kommunikation eingebunden werden. Ich wünsche ihm viel Erfolg und ausreichende Personalressourcen.

Lufthansa Konzern
Tobias Kunz

Tobias Kunz, Joachim Niemeier (v. l.)

Tobias Kunz, Joachim Niemeier (v. l.)

Bei der Lufthansa, mit über 100.000 Mitarbeitern aus 146 Nationen, bestand Handlungsbedarf. Einzelne Insellösungen haben sich selbständig gebildet und mussten zusammengeführt werden. Die einzelnen Ziele: Die Etablierung einer flexiblen und kooperationsfördernden Web-Architektur und -Oberfläche, die Förderung von Vernetzung und Austausch, ein verbessertes Wissensmanagement, der Ausbau einer selbstorganisierten Kommunikationsstruktur als Ergänzung des bestehenden Intranet-Systems sowie die Synchronisation der entstandenen Pilotaktivitäten.

Um die richtige Technologie für das Unternehmen zu finden, wurden vier Anbieter parallel von Mitarbeitern getestet und dann ausgewählt. Interessanterweise waren es die Nischenanbieter die überzeugt haben und am Ende mehr konnten als nur schöne Prospekte zu drucken. Die Kriterien waren Architektur, Funktionalität, Usability, Nachhaltigkeit und Kosten. Wobei am Ende die Usability vor den Kosten gewertet wurde. Trotz verschiedenster Tests konnte mit keinem Produkt mehr als 87 % der Anforderungen erfüllt werden.

Tipps von Tobias Kunz: Die HR Abteilungen frühzeitig einbinden, Quick Wins und Multiplikatoren helfen beim Anschub, Top-Management Unterstützung holen, Standardisierung und Individualisierungsmöglichkeiten ausgewogen regeln, ein Veränderungsmanagement ist essentiell, ein internes Marketing und eine initiale Befüllung sind erfolgskritisch und die Usability sollte so einfach wie möglich sein.

Noch ein paar gute Sätze aus seiner Präsentation:
– Web2.0 ist eine Philosophie und keine Technologie
– Eierlegende Wollmilchsäue gibt es nicht
– Die Offenlegung von Kosten kann den Bedarf an Social Software reduzieren
– Die demografische Struktur im Unternehmen beachten (Babyboomer, Generation X, Generation Y)

Bayer Business Services GmbH
Marco Plack

Marco Plack

Marco Plack

Bei Bayer wurde erkannt, dass ihre neuen Mitarbeiter zwischen 16 und 25 Jahre alt sind – und dass diese neuen Mitarbeiter die Führungskräfte der Zukunft sind. Für sie war das Internet immer da. SMS, Mail und IM sind ihre bevorzugten Kommunikationskanäle – ihre virtuellen Kontakte haben für sie den gleichen Stellenwert wie ihre persönlichen.

Darum gilt bei Bayer das CLICK Prinzip:
C
ultur (Wie sieht die im Unternehmen aus… Kontrolle oder Monitoring?)
L
eadership (Weg von der Hierarchie hin zur Demokratie)
Information Sourcing (Bringschuld wird Holschuld)
Communication (nicht One-Way sondern Dialog)
K
nowledge (Aufbauen und teilen)

Er hat auch einen Tipp gegeben, wie man aus dem Einsatz von Enterprise 2.0 Technologien ein Business Case machen kann. Und zwar indem man jeden Mitarbeiter in die Lage versetzt, eigene Mash-Ups zu entwickeln und so die Technologie zum Selbstzweck in die eigene Arbeitsweise zu integrieren. Wie Bayer das selber genau macht, hat er aber… wenn ich es mir so recht überlegt – nicht erzählt :-).

Frauenhofer Gesellschaft
Petra van Heek

Petra van Heek, Joachim Niemeier

Petra van Heek, Joachim Niemeier

Wie war noch die Einführung von Herrn Prof. Dr. Niemeier, der selber einzige Zeit für die Frauenhofer Gesellschaft gearbeitet hat? Ein Wissenschaftler von Frauenhofer würde lieber versagen als die Erfindung eines Kollegen anzuerkennen (oder so – lach). Das macht die Aufgabe von Frau van Heek so interessant – die das Weiterbildungsprojekt „Frauenhofer lernt von Frauenhofer“ ins Leben gerufen hat.

Stimmen, Best-Practices und Tools aus dem Institut lieferten die inhaltlichen Grundlagen. Internes Bildungsmarketing via E-Mail und Postkartenmails machten das Projekt bei der Zielgruppe bekannt und die Lerninhalte wurden mit der täglichen Arbeit verknüpft. Das Ergebnis hat Petra van Heek zufrieden gestellt – Podcasts und Downloads wurden viel genutzt und die Teilnehmerzahlen übertrafen die ersten Erwartungen.

Woran es noch mangelt ist der Austausch untereinander via Web2.0 Technologien – was allerdings nach der Anmoderation nicht verwunderlich ist. Ein Problem ist u. a., dass sich die Wisschenschaftler in eigenen Spezialisten-Communities auf externen Plattformen austauschen. Hinzu kommt die interne Konkurrenz zwischen Instituten und Abteilungen. Das ist nicht leicht, aber der erste Schritt ist gemacht. Ich wünsche weiterhin gutes Gelingen und ein bisschen mehr Enterprise 2.0 in einem Unternehmen voller Vordenker!

Vodafone Group
Florian Riedl

Florian Riedl

Florian Riedl

Ganz spannend, was Florian Riedl von Vodafone erzählt hat. Beispielsweise, dass bei ihnen häufig neue Telefongesellschaften angekauft werden – länderübergreifend. Aus diesem Grund haben sie quasi JEDE Intranettechnologie, die man sich vorstellen kann, im Unternehmen.

Eine riesige Herausforderung, hier etwas Einheitliches hin zu bekommen, ohne jemandem dabei auf die Füße zu treten. Gemeinsam mit Bernhard Sandl von der Agentur jetztdesign es Riedler trotzdem gelungen. Und zwar, in dem sie das interne Vodafone-Telefonbuch „People Finder“ (immerhin 36.000 Zugriffe täglich) in eine unternehmensweite Community umgewandelt haben. „Finder 2.0“ – so der neue Name des Tools. Hier gibt es nämlich jetzt nicht mehr nur Personen zu finden, sondern auch deren Interessen und deren Bookmarks. Man kann sich mit Kollegen verlinken, Nachrichten schreiben sowie Dokumente und Fotos hochladen. Wer dabei sein möchte klickt einfach einen Link – die Basisdaten werden dann automatisch übertragen. Wer nicht dabei sein möchte, wird auch nicht gezwungen – der Zusatznutzen für jeden einzelnen Mitarbeiter und die einfache Usability sollen hier aber Berührungsängste nehmen.

Noch ein paar Fotos von der Veranstaltung? Hier – im Flickr Account von Kongress Media. Vielleicht findet ihr ja meinen RL-Avi Jutta… *g – Suchspiel!

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8 Antworten zu Immer mehr Web2.0 Tools kapern die Unternehmen

  1. Stefan / intuitiv schreibt:

    Hallo,

    gute Zusammenstellung – Danke.

    Solange die deutschen Unternehmen Bloggen, Twittern o.ä. Aktionen nicht als Zeitverschwendung ansehen…

    Gruß,

    Stefan (@intuitiv)

  2. Pingback: links for 2009-02-24 - Projekt- und Wissensmanagement durch Webanwendungen

  3. Robert Bullinger schreibt:

    Schön sowas mal zu lesen, leider habe ich das Forum verpasst. Muss ziemlich interessant gewesen zu sein die Erfarungen der ganzen Firmen mit Enterprise 2.0 zu hören.
    Leider bin ich erst ein „Einsteiger“ in dem Thema, aber vielleicht sind wir das jaalle 😉

    Einen kleinen Tipp habe ich noch: Der Projektmanagement 2.0 Blog hat vor kurzem eine Serie von Präsentationen zu Enterprise 2.0 herausgebracht, zusammen mit T-Systems MMS.
    http://www.projektmanagement20.de/prasentation-wissensmanagement-im-enterprise-20-der-wikipedia-irrtum-jetzt-online/75/

  4. markus schreibt:

    Wie gesagt wäre ich gerne dabei gewesen. Doch mit deiner Zusammenfassung gebe ich mich auch zufrieden 🙂

  5. MiRu schreibt:

    Hallo auch ich habe leider das Forum verpasst ! Gibt es so ein Forum noch einmal in Köln ?

    Grüße MiRu

  6. JuneB schreibt:

    MiRu – Ja, ich denke, dass es von Kongress Media wieder ein Enterprise 2.0 Forum geben wird. Wirklich spannend zu hören, wie andere Unternehmen vorgehen. Auch für Berater wie mich sind Best Practices immer wieder gute Anregungen.
    Hier – bei Interesse – noch ein paar weitere Artikel zu dem Thema (auch vom vorletzten Enterprise 2.0 Forum):

    https://junebrenners.wordpress.com/2009/02/25/something-more-about-enterprise-20/
    https://junebrenners.wordpress.com/2008/09/18/enterprise20festo-%E2%80%93-biographie-eines-projektes/
    https://junebrenners.wordpress.com/2008/09/18/vom-social-network-zum-kompetenznetzwerk-bei-der-adidas-ag-%E2%80%93-aufbau-eines-globalen-personalisierbaren-intranet-portals-20/
    https://junebrenners.wordpress.com/2008/09/18/erfolgsfaktoren-bei-kooperationssystemen-20/
    https://junebrenners.wordpress.com/2008/09/18/herausforderungen-und-chancen-beim-einsatz-von-wiki-losungen-am-beispiel-von-robert-bosch-diesel-system/
    https://junebrenners.wordpress.com/2008/09/18/wikis-als-instrument-fur-kollaboratives-wissensmanagement/
    https://junebrenners.wordpress.com/2008/09/18/wie-unternehmen-die-notwendigkeit-von-social-media-begreifen-%E2%80%93-am-beispiel-der-telekom-austria/
    https://junebrenners.wordpress.com/2008/09/18/potentiale-und-herausforderungen-bei-der-einfuhrung-von-social-software-fur-die-interne-kommunikation-und-kollaboration/
    https://junebrenners.wordpress.com/2008/09/18/enterprise-20-forum/
    https://junebrenners.wordpress.com/2008/09/17/wiki-konzepte-im-unternehmen/

    Viel Spaß beim Lesen. Bei Fragen… einfach anrufen!

  7. Frank Hamm schreibt:

    Danke für die Zusammenfassung, ich habs ja nur auf einen Zwischenstopp geschafft 🙂

    @MiRu Zwei Terminhinweise (hoffe, dass ich es zu beiden schaffe), bei beiden ist immer viel Praxis und Erfahrungsaustausch dabei (auch von Kongress Media):

    Intranet Summit 24.+25.6. in Offenbach http://www.intranet-summit.de/

    Enterprise 2.0 Summit vom 6. – 8. Oktober in Offenbach http://www.e20summit.com/

  8. JuneB schreibt:

    Hallo Frank!
    Super, danke für die Tipps. Würde mich freuen, wenn wir uns auf einem der Termine sehen!
    Lg
    Jutta

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