„Wie es sich anhört und später dann kommt“ oder „Gekürzt“

Gestern klingelt das Telefon – hmmm – das Mobile und unbekannte Nummer? Wer will da was? Nett und freundlich meldet sich eine Journalistin der dpa und fragt mich, ob ich für einen Artikel ein paar Experten-Fragen zum Thema „Facebook-Fanseiten für Nationalspieler“ abgeben möchte. Sie würde sich über O-Töne von mir freuen. Klar, gerne. Bin dabei.

Sie hat mir also die Fragen gemailt und ich habe sie wie folgt beantwortet:

1) Warum betreiben die deutschen Nationalspieler Homepages/Facebook-Profile? Was bringt es ihnen und ihrem Image?
Zu den persönlichen Beweggründen der einzelnen Spieler kann ich natürlich nichts sagen. Die Spieler werden alle in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und PR geschult. Mich würde es nicht wundern, wenn es weniger die Entscheidung des einzelnen Spielers war, einen Facebook-Account zu eröffnen, als vielmehr der Rat
eines Experten.
Natürlich freuen sich die Fans eines Prominenten, wenn sie Informationen aus erster Hand bekommen, wenn sie zeigen können, dass sie Fan sind und die Möglichkeit bekommen, sich mit anderen Fans auszutauschen. Außerdem zeigt man mit einem Profil auf Facebook, dass man „in“ ist und sich darum kümmert, den Fans so nah wie möglich zu sein. Das schafft Sympathiepunkte und macht außerdem – wenn man eine extrovertierte Neigung hat – auch noch Spaß.

2) Ist das Ihren Kenntnissen nach ein neuer Trend bei Prominenten und Sportlern?
Facebook ist derzeit allgemein ein Trend. Aus den USA herüber geschwappt ist es heute ein Muss, sich auf Facebook zu präsentieren. Und das ganz unabhängig davon, ob man dies als Privatperson, Prominenter oder als Unternehmen tut. Ich persönlich glaube, dass es allgemein einen Trend hin zur Zielgruppe/zu den Fans gibt. Das kann über ein Profil bei Facebook passieren oder durch einen Twitter-Account. Auch eine gut gemachte, interaktive Homepage oder ein Blog sind spannende Tools. Was davon ein Sportler für sich wählt, hängt davon ab, wie viel Zeit er investieren möchte und was seinem eigenen Wesen am besten entspricht. Interessant ist auch ein anderer Trend. Nämlich der, falsche Profile von Prominenten bei Facebook einzustellen. Dies kann als offensichtliche Satire geschehen (Guido Westerwave auf Facebook) oder auch lange unentdeckt bleiben (Muentefering auf Twitter) Hier lohnt sich also auch immer ein Monitoring um sicher zu gehen, dass die Informationen, die die eigenen Fans aus dem Social Network ziehen, auch wirklich von einem selber sind.

3) Welchen Vorteil hat ein Facebook-Profil gegenüber einer „klassischen“ Homepage?
Ein Profil oder eine Fanpage bei Facebook hat mehrere Vorteile gegenüber einer klassischen Homepage. Zum einen bewegt sich der Prominente auf Facebook genau dort, wo sich auch die Fans bewegen. Für viele ist Facebook die Seite, auf der sich ihr Onlineleben abspielt. Hier trifft man Freunde, teilt seine Fotos, verabredet sich zu Veranstaltungen, chattet und informiert sich darüber, was gerade passiert. Hat ein Nationalmannschaft-Spieler hier ein Profil, müssen seine Fans das gewohnte Umfeld nicht verlassen. Und sie freuen sich, dass sie ihr Idol genau dort finden, wo sie sich selber aufhalten. Das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
Hinzu kommt, das klassische Webseiten, deren Hauptaufgabe das Informieren ist, in der heutigen Web 2.0 Zeit unattraktiv sind. Man muss die Seite erst im Web suchen, dann gucken, ob es etwas Neues gibt und hat kaum Möglichkeiten, mit dem Prominenten in einen Dialog zu treten. Wenn es eine Kontaktmöglichkeit gibt, dann ist das meistens die eMail-Adresse des Managements. Das frustriert. Die Nationalspieler sind jung und die Fans erwarten eine gewisse Online-Affinität. Wie ich finde, zu Recht.

4) Manche Spieler posten selbst und stellen selbst geknipste Fotos online, bei anderen macht das offiziell ein Webmaster – macht das für die Fans einen Unterschied? Wozu raten Sie?
Selbstverständlich würde ich immer dazu raten, selber auf dem eigenen Facebook-Profil aktiv zu sein. Es wird aber auch jeder Fan Verständnis dafür haben, dass die Spieler zu beschäftigt und eingebunden sind, um alles alleine zu machen. Solange offen sichtbar ist, dass jemand anderes mit auf dem Account arbeitet, is das ok. Ich persönlich denke, ein Prominenter sollte die Arbeit nicht völlig aus der Hand geben, sondern von Zeit zu Zeit selber etwas posten und auch eigene Bilder hochladen. Das macht das Profil authentisch und „belohnt“ die Fans. Der größte
Fehler ist, einen Ghostwriter zu haben und dies nicht zu sagen. Sobald rauskommt, dass man sich gar nicht wirklich um seine Social-Media-Aktivitäten kümmert, macht das im Netz die Runde und kann dem eigenen Image schaden. Wenn man selber keine Lust dazu hat, von Zeit zu Zeit bei Facebook herein zu schauen und die Fans hinter die Kulissen gucken zu lassen, sollte man lieber auf eine klassische Webseite zurück greifen.

5) Am meisten „Fans“ hat Mesut Özil: 111 099 – ist das nach Ihren Kenntnissen vergleichsweise viel oder wenig?
Für Deutschland sind die 130.984 Facebook-Fans von Özil sicherlich schon ziemlich viel. Das es Nationen mit mehr Facebook-Affinität gibt, zeigen die 2.913.886 Fans von David Beckham. Bei der Zahl trägt aber sicher auch seine Lifestyle-Prominenz Rechnung. Von der Anzahl der Fans allein hängt der Erfolg oder Misserfolg einer Facebook-Seite jedoch nicht ab. Vielmehr kommt es auf die Inhalte, den Dialog und nicht zu Letzt den Spaß an, den der Spieler und die Fans rund um das Facebook-Profil haben.

Was dabei rausgekommen ist? Na, ein paar Worte haben sie schon von mir zitiert – aber… seht selbst: http://tinyurl.com/29k55hz. Lustige Aktion auf jeden Fall – hab mich sehr über die Anfrage gefreut.

Vielen Dank auf diesem Weg an @hoomygumb, @natadd und @PeaDot fürs Drüberlesen und für gut befinden.

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